Seit Juli 2026 rollt Microsoft Defender for Office 365 Plan 1 in die Pläne Microsoft 365 E3 und Office 365 E3 aus. Damit erhalten viele Unternehmen Phishing- und Malware-Schutz, den sie bisher separat kaufen mussten, oft, ohne es zu wissen. Der Haken: Aktiv schützt die Funktion erst, wenn sie richtig konfiguriert ist. Dieser Beitrag zeigt, welche Schutzfunktionen in welchem Plan stecken, wie Sie in wenigen Minuten prüfen, ob Sie sie bereits nutzen, und wie Sie sie sauber aktivieren.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
Was ist neu? Microsoft fügt Defender for Office 365 Plan 1 ab Juli 2026 den Plänen Microsoft 365 E3 und Office 365 E3 hinzu. Der Rollout hat im Juni 2026 begonnen, als Ziel für den Abschluss nennt Microsoft den 1. August 2026.
Was bringt das? E3-Kunden bekommen Safe Links, Safe Attachments und erweiterten Anti-Phishing-Schutz ohne separates Add-on, Schutzfunktionen, die vorher nur in Plan 1 als Zukauf oder in E5 enthalten waren.
Wer hatte es schon? Microsoft 365 Business Premium (der typische Mittelstands-Plan) enthält Defender for Office 365 Plan 1 bereits. E5 enthält den größeren Plan 2.
Der Haken: Die Funktionen sind nicht automatisch scharf geschaltet. Ohne konfigurierte Richtlinien (am einfachsten über die voreingestellten Preset Security Policies) bleibt der Schutz ungenutzt.
Ihr nächster Schritt: Lizenz prüfen, voreingestellte Sicherheitsrichtlinie Standard oder Streng aktivieren, mit dem Konfigurationsanalyzer gegenprüfen.
Warum diese Änderung für den Mittelstand zählt
E-Mail ist nach wie vor das häufigste Einfallstor für Angriffe auf Unternehmen, von Phishing über Business Email Compromise bis zu Ransomware, die per Anhang oder Link startet. Viele mittelständische Unternehmen verlassen sich dabei allein auf den Basisschutz von Exchange Online (Exchange Online Protection, kurz EOP), der Spam und bekannte Schadsoftware filtert, aber keine Prüfung von Links zum Klickzeitpunkt oder das Detonieren unbekannter Anhänge leistet.
Genau diese Lücke schließt Defender for Office 365 Plan 1. Dass Microsoft Plan 1 nun in die E3-Pläne aufnimmt, ist deshalb mehr als eine Lizenz-Fußnote: Zehntausende Unternehmen verfügen künftig über E-Mail-Sicherheit auf einem höheren Niveau, und die Erfahrung zeigt, dass ein großer Teil davon nicht weiß, dass er sie hat, geschweige denn sie aktiviert.
Für Sie als Entscheider heißt das zweierlei: Erstens können Sie unter Umständen ein separat gekauftes E-Mail-Security-Add-on einsparen. Zweitens, und wichtiger, sollten Sie sicherstellen, dass der bereits bezahlte Schutz auch tatsächlich wirkt.
Welche E-Mail-Sicherheit steckt in welchem Microsoft-365-Plan?
Die folgende Übersicht zeigt, welche Schutzebene in den für den Mittelstand relevanten Plänen enthalten ist, vor und nach der Umstellung.
| Schutzfunktion | Business Premium | E3 (bisher) | E3 (ab Juli 2026) | E5 |
|---|---|---|---|---|
| Anti-Spam / Anti-Malware (EOP) | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Safe Links (Link-Prüfung zum Klickzeitpunkt) | Ja | Nein | Ja | Ja |
| Safe Attachments (Anhang-Detonation) | Ja | Nein | Ja | Ja |
| Erweiterter Anti-Phishing- und Impersonation-Schutz | Ja | Nein | Ja | Ja |
| Safe Attachments für SharePoint, OneDrive und Teams | Ja | Nein | Ja | Ja |
| Threat Explorer, Attack Simulation Training, automatisierte Untersuchung (AIR) | Nein | Nein | Nein | Ja |
| Defender-for-Office-365-Stufe | Plan 1 | nicht enthalten | Plan 1 | Plan 2 |
Defender for Office 365 Plan 1 und Plan 2: der Unterschied in einem Satz
Plan 1 schützt (Prävention), Plan 2 untersucht und trainiert (Detektion, Reaktion, Awareness).
| Bereich | Plan 1 (in Business Premium und ab 7/2026 in E3) | Plan 2 (in E5) |
|---|---|---|
| Schutz vor Phishing, Malware, bösartigen Links und Anhängen | Ja: Safe Links, Safe Attachments, Anti-Phishing | Ja (enthält Plan 1) |
| Nachverfolgung und Threat Hunting (Threat Explorer, Real-time detections) | Nein | Ja |
| Automatisierte Untersuchung und Reaktion (AIR) | Nein | Ja |
| Angriffssimulationstraining für Mitarbeitende | Nein | Ja |
| Typischer Einsatz | Grundschutz aktiv halten | SOC- und Managed-Detection-Betrieb |
Für viele KMU deckt Plan 1 den wichtigsten Bedarf, die Abwehr. Wer Bedrohungen aktiv jagen, simulieren und automatisiert eindämmen will oder muss, etwa im NIS2-Kontext, braucht Plan 2 bzw. einen Managed-Detection-and-Response-Ansatz.
Wichtig: Enthalten heißt nicht aktiv
Der häufigste Irrtum: Wir haben E3 oder Business Premium, also sind wir geschützt. Defender for Office 365 muss über Richtlinien konfiguriert werden. Microsoft bietet dafür voreingestellte Sicherheitsrichtlinien (Preset Security Policies) in zwei Stufen an:
Standard: ausgewogener Schutz, für die meisten Unternehmen empfohlen.
Streng (Strict): aggressivere Einstellungen für höhere Schutzanforderungen.
Beide Stufen konfigurieren Safe Links, Safe Attachments und Anti-Phishing in einem Rutsch, ohne dass Sie jede Einzelrichtlinie von Hand bauen müssen. Wer schon eigene Richtlinien betreibt, sollte diese mit dem Konfigurationsanalyzer gegen die von Microsoft empfohlenen Werte abgleichen.
Checkliste: Defender for Office 365 in 7 Schritten aktivieren und prüfen
Zeitaufwand: ca. 30 bis 45 Minuten. Benötigte Rolle: Sicherheitsadministrator bzw. Global Administrator (nur zum Prüfen genügt oft Security Reader).
Lizenz prüfen. Im Microsoft 365 Admin Center unter Abrechnung, Lizenzen kontrollieren, ob Defender for Office 365 (Plan 1) bei Ihren E3- und Business-Premium-Nutzern erscheint. Bei E3 kann der Rollout je nach Mandant noch bis Anfang August 2026 laufen.
Portal öffnen. In das Microsoft Defender-Portal (security.microsoft.com) wechseln, E-Mail und Zusammenarbeit, Richtlinien und Regeln, Bedrohungsrichtlinien.
Preset Security Policies aktivieren. Voreingestellte Richtlinie Standard (oder Streng) einschalten und die zu schützenden Empfänger und Domänen zuweisen.
Safe Links kontrollieren. Sicherstellen, dass Safe Links für E-Mail und für Teams und Office-Apps greift.
Safe Attachments kontrollieren. Prüfen, dass Anhänge detoniert werden und Safe Attachments für SharePoint, OneDrive und Teams aktiv ist.
Anti-Phishing schärfen. Impersonation-Schutz für Ihre Geschäftsführung und wichtige Postfächer (Priority Accounts) sowie Ihre eigenen Domänen aktivieren.
Gegenprüfen und überwachen. Mit dem Konfigurationsanalyzer gegen die empfohlenen Werte abgleichen und den Microsoft Secure Score als laufende Kennzahl im Blick behalten.
Was Sie noch auf dem Schirm haben sollten (Juli 2026)
Parallel zur Defender-Änderung sind zwei weitere Microsoft-Neuerungen relevant, die Ihre Identitäts- und Zugriffssicherheit betreffen:
Conditional Access für die Registrierung von Sicherheitsinfos (6. bis 13. Juli 2026): Richtlinien für bedingten Zugriff, die auf die Benutzeraktion Sicherheitsinformationen registrieren abzielen, werden nun auch bei der Registrierung von Windows Hello for Business und macOS Platform SSO ausgewertet. Das schließt eine bislang inkonsistente Lücke bei der Anmeldeinformations-Registrierung. Prüfen Sie, ob Ihre Registrierungs-Richtlinien wie erwartet greifen.
Neue Warnungen in Defender for Identity: Microsoft hat zusätzliche Erkennungen rund um Entra ID und Active Directory ergänzt. Für Unternehmen mit hybrider Identität lohnt ein Blick, ob diese Signale in Ihrem Monitoring ankommen.
Diese Punkte zeigen das Muster: Microsoft verlagert immer mehr Schutz in den Plan, aber die Wirkung entsteht erst durch saubere Konfiguration und Überwachung.
Fazit und nächste Schritte
Die Aufnahme von Defender for Office 365 Plan 1 in Microsoft 365 E3 ist eine gute Nachricht: mehr E-Mail-Sicherheit ohne Aufpreis für viele Unternehmen. Der Wert entsteht aber nicht durch die Lizenz, sondern durch die Aktivierung. Prüfen Sie diese Woche, ob Ihre Schutzfunktionen scharf geschaltet sind, und ob Sie ein separat gekauftes Add-on künftig einsparen können.
Sofort: Lizenz und Preset Security Policy prüfen (Checkliste oben).
Diese Woche: Konfiguration gegen Secure Score und Konfigurationsanalyzer abgleichen.
Strategisch: Entscheiden, ob Plan 1 genügt oder ob Sie für Detektion und Reaktion (Plan 2 bzw. Managed Detection and Response) nachrüsten.
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Häufige Fragen zu Defender for Office 365 in Microsoft 365 E3
Ja. Seit dem Rollout im Juli 2026 enthält Microsoft 365 E3 (und Office 365 E3) Defender for Office 365 Plan 1. Der Rollout begann im Juni 2026 und soll laut Microsoft bis zum 1. August 2026 abgeschlossen sein. Bis dahin kann die Verfügbarkeit je nach Mandant variieren.
Plan 1 schützt aktiv (Safe Links, Safe Attachments, Anti-Phishing). Plan 2 enthält zusätzlich Werkzeuge zur Bedrohungsanalyse (Threat Explorer), Angriffssimulationstraining und automatisierte Untersuchung und Reaktion (AIR). Plan 2 ist in E5 enthalten.
Ja. Enthalten heißt nicht automatisch aktiv. Am einfachsten aktivieren Sie die voreingestellten Sicherheitsrichtlinien Standard oder Streng im Microsoft Defender-Portal.
Ja. Safe Attachments schützt auch Dateien in SharePoint, OneDrive und Microsoft Teams, Safe Links greift ebenfalls in Teams und den Office-Apps.
Nicht zwingend. Für viele Unternehmen deckt Defender for Office 365 Plan 1 den E-Mail-Schutz ab. Ob ein zusätzliches Gateway sinnvoll ist, hängt von Sonderanforderungen ab (z. B. spezielle Compliance, Multi-Tenant, Nicht-Microsoft-Postfächer). Ein separat gekauftes Add-on lässt sich nach der Umstellung oft einsparen.
Business Premium (bis 300 Nutzer) enthält Defender for Office 365 Plan 1 sowie Geräteverwaltung und Datenschutzfunktionen und ist meist die wirtschaftlichere Wahl für KMU. E3 richtet sich an größere Organisationen, ab Juli 2026 schließt es beim E-Mail-Schutz zu Business Premium auf.
Microsoft hat parallel zu den erweiterten Funktionen eine Preisanpassung für die E3-Pläne angekündigt. Die genauen Konditionen hängen von Vertrag, Laufzeit und Region ab, prüfen Sie diese mit Ihrem Lizenzpartner.