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Nahaufnahme einer brennenden Kerze.

Digitaler Nachlass – Auch er sollte geregelt sein!

Das Internet ist omniprÀsent und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.
GegenwĂ€rtig findet das Leben zahlreicher Menschen hauptsĂ€chlich im Internet statt. Die privaten und beruflichen Datenmengen und Informationen, die sie dabei auf den zahlreichen OnlinekanĂ€len verteilen, sind beachtlich. Umso bedeutsamer ist es deshalb, dass sie sich zeitig Gedanken darĂŒber machen, was im Todesfall mit ihnen geschehen soll. Mit einer gut durchdachten Nachlassregelung stellen kĂŒnftige Erblasser sicher, dass einerseits Angehörige, GeschĂ€ftspartner oder Arbeitskollegen im Todesfall den Zugriff auf wichtige Konten und Informationen erlangen und andererseits sensible Daten und persönliche Informationen vor unerlaubtem Zugriff und Missbrauch geschĂŒtzt sind.

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Wer dieser Tage stirbt, ist lange nicht tot!
Egal ob soziale Medien, E-Mails, Online-Banking-Konten, Smart-Home-Applikationen oder Cloud-Dienste: FĂŒr zahlreiche Menschen findet das Leben, die Arbeit und die Kommunikation inzwischen hauptsĂ€chlich im Internet statt.

Entsprechend der ARD/ZDF-Onlinestudie 2020 nutzen in Deutschland gegenwÀrtig 66,4 Millionen Menschen ab 14 Jahren das Internet. Dabei verbringen sie, dem Global Digital Report 2021 von We Are Social zufolge, im Schnitt 5 Stunden und 26 Minuten pro Tag im Internet. Gleichzeitig hinterlassen sie Unmengen an privaten und dienstlichen Daten und Informationen auf den diversen OnlinekanÀlen.

Jedoch machen sich nur die allerwenigsten Menschen zu Lebzeiten Gedanken darĂŒber, was mit ihrem digitalen Erbe im Todesfall passieren soll.

Ärgerlicher noch: Etliche von ihnen wissen nicht einmal, dass sie ĂŒber ebenso verfĂŒgen können, wie ĂŒber . Dies fĂŒhrt dazu, dass sie hierfĂŒr meistens keine Nachlassregelungen treffen.

Die Folgen: Die Angehörigen mĂŒssen im Todesfall, nicht nur den Verlust eines Menschen in ihrer Umgebung ertragen. Sie haben oftmals auch keine Möglichkeit auf entscheidende Accounts und Daten zuzugreifen. Zeitgleich mĂŒssen sie mitunter alle Kosten fĂŒr laufende VertrĂ€ge, Mitgliedschaften und Onlineprofile tragen, da jegliche RechtsverhĂ€ltnisse sowie Rechte und Pflichten mit dem Erbfall auf sie ĂŒbergehen.
Vor diesem Background ist es vorteilhaft, dass kĂŒnftige Erblasser sich zeitnah mit ihrem digitalen Nachlass auseinandersetzen und eine durchdachte Nachlassplanung erstellen.

Das virtuelle Leben kennt kein Ablaufdatum!

Die digitalen Spuren, die ein Internetnutzer bei seinen TĂ€tigkeiten im Internet verbreitet, sind nicht nur unterschiedlich, sie ĂŒberdauern auch seinen Tod und werden zu seinem digitalen Nachlass.

Beim „digitalen Nachlass“ handelt es sich per BegriffserklĂ€rung des Fraunhofer-Institut fĂŒr Sichere Informationstechnologie um die „Gesamtheit des digitalen Vermögens“. Hierzu zĂ€hlen nicht nur alle Rechte und Pflichten wie auch RechtsverhĂ€ltnisse, die mit der Nutzung von IT-Systemen verbunden sind, sondern auch alle Daten die auf lokalen DatentrĂ€gern, im Internet, in Cloud-basierten Services sowie allen Online-Nutzerkonten und -Plattformen gespeichert sind.

Zum digitalen Nachlass zÀhlen demnach unter anderem:

  • E-Mail-Accounts,

  • Online-Bankkonten und Online-Bezahldienste,

  • Profile und Daten in sozialen Netzen,

  • Messenger- und Cloud-Dienste,

  • Konten bei Streamingdiensten,

  • Konten in Onlineshops,

  • digitale Zahlungsmittel,

  • Urheberrechte und andere Rechte an Fotos, Weblogs, ForeneintrĂ€gen,

  • Abos fĂŒr Online-Zeitschriften,

  • Inhalte in Musikdatenbanken und E-Books,

  • Lizenzen und Nutzungsrechte fĂŒr Software,

  • Vertragsbeziehungen zu Online-Dienstanbietern

Gleichermaßen gelten jegliche digitalen Daten wie Bilder, Videos oder Dokumente, die auf einem PC, mobilen EndgerĂ€t oder sonstigen DatentrĂ€ger gespeichert sind als digitaler Nachlass.

Außerdem werden in einzelnen FĂ€llen auch Eigentumsrechte an IT-Hardware zum digitalen Erbe gezĂ€hlt. Die rechtliche Lage ist hier jedoch streitig, da unter anderem der materielle Wert der einzelnen IT-Hardware dahingehend festlegt, ob diese unter die besondere digitale Nachlassregelung fĂ€llt oder nicht.

Nachlassrecht kennt keinen Datenschutz!

Es gibt im deutschen Erbrecht bis heute keine ausdrĂŒckliche Regelung fĂŒr den digitalen Nachlass.

Daher kann ein digitaler Nachlass mit vielen verschiedenen Rechtsgebieten in BerĂŒhrung kommen. Dazu zĂ€hlen vor allem das postmortale Persönlichkeitsrecht, das Telemediengesetz das Gesetz ĂŒber Urheberrecht und verwandte Schutzrechte sowie das Erbrecht.
GrundsĂ€tzlich werden fĂŒr den digitalen Nachlass aber dieselben Rechte und Pflichten des Erbrechts angewandt, wie fĂŒr das analoge Erbe. Konkret bedeutet das, dass im Erbfall nach § 1922 Abs. 1 des BĂŒrgerlichen Gesetzbuches sĂ€mtliche Rechtsbeziehungen, Rechte und Pflichten im Todesfall auf die Erben ĂŒbergehen.

Demnach haften – und zahlen –die Erben nicht nur fĂŒr aktuelle VertrĂ€ge, Mitgliedschaften, Abos und Onlineprofile, ihnen steht nach einem aktuellen richtungsweisenden Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes auch ein Recht auf Zugangsverschaffung, AushĂ€ndigung der Daten oder deren Löschung zu.

Schon zu Lebzeiten digitale Weichen stellen!

Plötzliche SchicksalsschlĂ€ge wie Erkrankung, UnfĂ€lle und Tod können jeden Menschen plötzlich treffen. Gerade Unternehmen mĂŒssen die FĂ€lle von Erkrankung und Unfall rechtzeitig bedenken, um die HandlungsfĂ€higkeit ihres Unternehmens verantwortungsvoll zu gewĂ€hrleisten.
Daher ist es wesentlich, sich rechtzeitig mit der Thematik „Nachlassplanung“ auseinanderzusetzen und adĂ€quate Vorkehrungen zu treffen – sowohl fĂŒr den privaten als auch den geschĂ€ftlichen Bereich.

Persönlicher digitaler Nachlass

Im persönlichen Bereich empfiehlt es sich, eine grundlegende BevollmĂ€chtigung oder ein Nachlassdokument fĂŒr den digitalen Nachlass zu erstellen und sicher zu hinterlegen, etwa beim Notar, in einem Bankschließfach, Safe oder Tresor oder einem Dienstleister fĂŒr digitales Erbe.

Das Elementarste hierbei ist es, den Verwandten die Möglichkeit zu geben, im Bedarfsfall zĂŒgig auf wichtige Konten zugreifen zu können, um sie beispielsweise aufzulösen, zu kĂŒndigen oder aber um unnötige laufende Zahlungen zu stoppen.

Aus diesem Grund sollten gerade folgende Punkte auf einer persönlichen „Digitalen Nachlass“-Liste nicht fehlen:

  • Zugangsdaten zu allen bedeutsamen E-Mail-Konten

  • Zugangsdaten zu Online-Bankkonten und weiteren Bezahldiensten

  • Zugangsdaten zu sozialen Netzwerken, Streaming-Angeboten sowie anderen Online-Konten und Plattformen

  • Entsperrcodes und PIN-Codes fĂŒr persönliche EndgerĂ€te wie Handys, Notebooks, Tablets und Co.

Dienstlicher digitaler Nachlass

Im geschĂ€ftlichen Bereich empfiehlt es sich, den Zugriff auf die Accounts ĂŒber eine „Generalvollmacht“ zu regulieren. Der Gewinn hierbei ist, dass nicht nur im Sterbefall, sondern auch bei lĂ€ngeren AusfĂ€llen oder einer fristlosen Entlassung, die Betriebe stĂ€ndig einen Master-Zugriff auf die Konten der Angestellten haben und somit wichtige Unternehmensdaten permanent gesichert sind.

Eine weitere Option den digitalen Nachlass im geschĂ€ftlichen Bereich zu regeln, ist der Einsatz von Passwort-Managern, mit dessen Hilfe, Admins, Kennwörter und Geheimzahlen wie PIN-Codes verschlĂŒsselt abspeichern und verwalten können.

Nicht nachlassen beim Nachlass!

In Anbetracht der Gegebenheit, dass die digitale Erbmasse mit jedem Mausklick, mit jeder Anmeldung und jeder besuchten Internetseite umfangreicher wird, ist es vorteilhaft, den digitalen Nachlass bereits zu Lebzeiten zu regeln.

Denn mit einer gut durchdachten Nachlassregelung können kĂŒnftige Erblasser einerseits sicherstellen, dass Hinterbliebene im Todesfall Zugang auf wesentliche Accounts erhalten, jederzeit handlungsfĂ€hig bleiben und in ihrem Sinne handeln können. Andererseits können sensible Daten und Vermögenswerte vor unerlaubtem Zugriff und Missbrauch beschĂŒtzt werden.

Die folgende Checkliste kann Sie dabei unterstĂŒtzen, Ihr digitales Erbe zu regeln, erhebt dabei aber keinen Anspruch auf Gesamtheit.

  1. Fertigen Sie eine Liste an, die jegliche verwendeten Onlineaccounts, Profile und Mitgliedschaften einschließlich Zugangsdaten auffĂŒhrt.

  2. Hinterlegen Sie das Verzeichnis als SchriftstĂŒck oder abgespeichert auf einem USB-Stick in einem Tresor, Safe oder Bankschließfach.

  3. Legen Sie in einer BevollmÀchtigung oder einem Testament fest, was mit ihren Informationen und Vermögenswerten im Sterbefall oder HandlungsunfÀhigkeit geschehen soll.

  4. Deklarieren Sie eine oder mehrere Vertrauenspersonen und weisen Sie sie ein.

  5. Löschen Sie turnusmĂ€ĂŸig Daten wie E-Mails, Chat- und BrowserverlĂ€ufe oder Fotos, die niemandem in die HĂ€nde fallen sollen.

  6. Nutzen Sie einen Passwort-Manager, mit dessen Hilfe Sie Ihre Kennwörter und Geheimzahlen wie PIN-Codes chiffriert abspeichern und organisieren können.

  7. Nutzen Sie eine VerschlĂŒsselungssoftware, um ihre Dateien zu verschlĂŒsseln und die Vertraulichkeit ihrer persönlichen Informationen zu wahren.

Sorgen Sie rechtzeitig vor: Denn das Vorhaben „Mein digitaler Nachlass“ gilt fĂŒr uns alle!

Wir sind lĂ€ngst in einer digitalisierten Welt angekommen. Ob KĂ€ufe ĂŒber Shopping-Webseiten, das Vornehmen von Bankangelegenheiten, die Kommunikation ĂŒber soziale Plattformen, E-Mail und Messaging-Diensten oder die Nutzung von Clouddiensten: Ein immer grĂ¶ĂŸerer Teil des Lebens wird im Internet geregelt. Umso wichtiger ist es daher, sich bereits zu Lebzeiten Überlegungen darĂŒber zu machen, wer den eigenen digitalen Nachlass verwalten darf und insbesondere was mit dem digitalen Nachlass im Sterbefall geschehen soll.

Wir von aconitas empfehlen Ihnen daher, sich frĂŒhzeitig mit dem Thema „Mein digitaler Nachlass“ auseinanderzusetzen und passende Vorkehrungen zu treffen. Nur so können Sie Klarheit fĂŒr Ihre Erben und sich schaffen und Ihren digitalen Nachlass nach Ihren WĂŒnschen regeln.

Sie haben noch Fragen zum Einsatz einer Passwort-Manager-Lösung sowie einer geeigneten VerschlĂŒsselungssoftware? Sprechen Sie uns bitte an, wir beraten Sie gerne. Zur Regelung Ihres digitalen Nachlasses sprechen Sie am besten den Anwalt Ihres Vertrauens an.

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