Deutsche Unternehmen verzeichnen jede Woche rund 1.345 Cyberangriffe, 11% mehr als im Vorjahr. Hinter diesen Zahlen stehen etablierte Firmen, die plötzlich vor dem Aus stehen, und hunderte Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Manche Unternehmen überleben die Verschlüsselung ihrer Daten nicht.
Ein Cyberangriff kann ein Unternehmen die Existenz kosten
Lange galten Cyberangriffe als reines IT-Problem. Viele gingen davon aus, dass nach ein paar Tagen Ausfall alles wieder normal läuft. Diese Annahme ist gefährlich, und für eine wachsende Zahl deutscher Unternehmen endet sie in der Insolvenz.
Ein Ransomware-Angriff kann ein gesundes Unternehmen innerhalb weniger Wochen in die Insolvenz treiben. Das passiert in Deutschland, und die folgenden Fälle haben echte Namen. Die betroffenen Unternehmen konnten ihre Daten nicht ausreichend schützen.
Bei Fasana gefährden wenige Stunden 100 Jahre Firmengeschichte
Unternehmen: Fasana GmbH, Euskirchen
Branche: Papierservietten-Hersteller
Belegschaft: 240 Mitarbeiter
Historie: Mehr als ein Jahrhundert Tradition
Am 19. Mai 2025 druckten die Firmendrucker plötzlich Erpresserbriefe aus. Die Ransomware hatte sich im gesamten System ausgebreitet, und die Angreifer forderten über das Darknet Lösegeld.
Die Folgen kamen schnell:
Schon am nächsten Tag fielen Aufträge im Wert von 250.000 Euro aus, weil die Systeme blockiert waren.
Die Produktion musste komplett eingestellt werden, der Betrieb stand still.
Obwohl die IT-Spezialisten rasch reagierten, war der finanzielle Schaden kaum noch zu bewältigen.
Am Ende musste die Geschäftsführung Insolvenz anmelden.
Seitdem sucht das Unternehmen dringend einen neuen Investor, der sein Überleben sichert. Die Arbeitsplätze von rund 240 Mitarbeitern stehen auf dem Spiel. Eine über hundertjährige Firmengeschichte droht wegen einer einzigen erfolgreichen Cyberattacke zu enden.
Die Einhaus-Gruppe rutscht vom Marktführer in die Insolvenz
Unternehmen: Einhaus-Gruppe, Hamm
Branche: Elektronikversicherungen, Smartphone-Reparatur
Belegschaft: 170 Mitarbeiter
Jahresumsatz: Bis zu 70 Millionen Euro
Partner: Telekom, 1&1, über 5.000 Telefon-Shops
Im Frühjahr 2023 griff die Ransomware „Royal“ die IT-Systeme des Unternehmens an und verschlüsselte sämtliche Systeme. Das Unternehmen entschied sich daraufhin, ein Lösegeld in Kryptowährung zu zahlen, um wieder an seine Daten zu kommen.
Danach nahm der Fall diesen Verlauf:
Trotz der Zahlung liefen die Systeme weiterhin fehlerhaft.
Der Umsatz brach um einen Betrag im mittleren siebenstelligen Bereich ein.
Später beschlagnahmte die Polizei sechsstellige Krypto-Beträge bei den Tätern.
Das Geld floss aber nicht an das geschädigte Unternehmen zurück.
Für den Geschäftsführer war das Ende absehbar: „Dass wir als nachweislich Geschädigte die erpressten Gelder nicht zurückerhalten, obwohl sie beschlagnahmt wurden, hat unsere Restrukturierungsbemühungen zum Scheitern gebracht.“
Am Ende stand die Insolvenz. Damit verschwand ein Pionier der Branche vollständig vom Markt.
Der Fahrradhersteller Prophete übersteht den Angriff nicht
Unternehmen: Prophete-Gruppe, Rheda-Wiedenbrück
Branche: Fahrrad- und E-Bike-Hersteller
Belegschaft: 400 Mitarbeiter
Historie: Gegründet im Jahr 1908
Verkauf: Aldi, Lidl, Baumärkte deutschlandweit
Ende November 2022 griffen Hacker die IT-Systeme an. Der Betrieb wurde unterbrochen, die Produktion stand komplett still.
Daraus entwickelte sich eine Kettenreaktion:
Das Unternehmen hatte schon vorher mit großen Problemen in der Lieferkette zu kämpfen.
Der Cyberangriff bedeutete schließlich das endgültige Aus.
Die Geldgeber zogen sich zurück, weil niemand die Verluste mehr tragen wollte.
Im Dezember 2022 meldete Prophete Insolvenz an.
Ein 114 Jahre altes Traditionsunternehmen, das viele aus den Discountern kannten, musste aufgeben. Die Marken wurden verkauft und sämtliche Standorte geschlossen.
Warum Cyberangriffe die Existenz von Unternehmen bedrohen
1. Der Zeitfaktor
Schon ein einziger Tag Stillstand kostet viel Geld, nach einer Woche wandern die ersten Kunden ab. Ein Monat Ausfall bedroht schnell die gesamte Existenz der Firma.
2. Die Vertrauenskrise
Lieferanten warten in solchen Fällen nicht lange, und Kunden wechseln rasch zur Konkurrenz. Die Banken werden nervös, Investoren ziehen sich zurück.
3. Die versteckten Kosten
Forensische Untersuchungen kosten 50.000 bis 500.000 Euro.
Die Datenwiederherstellung gelingt oft gar nicht.
Wie groß der Reputationsschaden wird, lässt sich nicht vorhersagen.
Rechtlich drohen DSGVO-Strafen und teure Klagen.
4. Das Lösegeld-Dilemma
Ob ein Unternehmen zahlt oder nicht, beides kann fatale Folgen haben. Auch nach einer Zahlung können die Systeme weiter ausfallen, wie der Fall der Einhaus-Gruppe zeigt. Wer nicht zahlt, muss mit verlorenen Daten, blockierten Systemen und wochenlangen Ausfällen rechnen.
Fünf Punkte zeigen, wie gut Sie vorbereitet sind
Prüfen Sie ehrlich, welche dieser Aussagen auf Ihr Unternehmen zutreffen:
In Ihrem Betrieb gibt es einen dokumentierten Incident-Response-Plan.
Alle Führungskräfte wissen, wen sie in den ersten 60 Minuten kontaktieren müssen.
Es gibt sichere Offline-Backups, die nicht über das Netzwerk erreichbar sind.
Ihr Team wurde für ein solches Angriffsszenario geschult.
Sie haben eine Cyberversicherung und wissen, was sie abdeckt.
Treffen mehr als zwei dieser Aussagen nicht zu, ist Ihr Unternehmen schlecht auf einen Angriff vorbereitet.
Was Sie jetzt tun sollten
Sofortmaßnahmen
Erstellen Sie einen Incident-Response-Plan, der festlegt, wer was wann und wie erledigt.
Richten Sie Offline-Backups ein, die täglich laufen und strikt vom Netzwerk getrennt sind.
Legen Sie Notfallkontakte für IT-Forensik, Anwalt, Versicherung und PR fest.
Schulen Sie Ihre Mitarbeiter, damit sie Phishing erkennen und richtig reagieren.
Bereiten Sie sich vor, bevor der Angriff kommt
Aktuell werden 1.345 Angriffe pro Woche verzeichnet, 11% mehr als im Vorjahr. Die Fälle Fasana, Einhaus und Prophete zeigen, dass weder Größe noch eine lange Geschichte ein Unternehmen vor solchen Angriffen schützt.
Ob ein Angriff zwei Tage Ausfall bedeutet oder in die Insolvenz führt, hängt von der Vorbereitung ab.
Ich würde deshalb mit dem Incident-Response-Plan und den Offline-Backups anfangen, weil beides im Ernstfall sofort hilft.
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- Speaker: Philipp Santos de Oliveira & Kevin Junk
- Partner: aconitas × Eye Security
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