Neue Anwendungen sollen kurzfristig laufen, Lasten schwanken, Projekte kommen und gehen. Die Hardware im eigenen Rechenzentrum kann dieses Tempo selten mitgehen. An dieser Stelle setzt Composable Infrastructure an. Rechenleistung, Speicher und Netzwerk weist dabei eine Software zu, statt sie fest zu verdrahten. In diesem Beitrag erkläre ich, wie der Ansatz funktioniert, welchen Nutzen er bringt und für welche Umgebungen er passt.
Starre IT-Architekturen stoßen an Grenzen
In klassisch gewachsenen Umgebungen wird Hardware pro Projekt beschafft und auf die erwartete Spitzenlast ausgelegt. Viele IT-Verantwortliche kennen das Ergebnis. Ein Teil der Systeme läuft dauerhaft im Leerlauf, während an anderer Stelle Ressourcen fehlen. Umbauten kosten Zeit, weil Server, Storage und Netzwerk getrennt geplant und einzeln konfiguriert werden.
Gleichzeitig hat sich die Erwartungshaltung verschoben. Wer Cloud-Dienste kennt, rechnet mit einer Bereitstellung in Minuten statt in Wochen. Aus dieser Lücke zwischen Anforderung und Beschaffungsrealität sind zusammensetzbare Infrastrukturen entstanden.
Composable Infrastructure stellt Ressourcen als Pools bereit
Composable Infrastructure, auf Deutsch zusammensetzbare Infrastruktur, ist ein Architekturkonzept für die Bereitstellung von IT-Ressourcen. Rechenleistung, Speicher und Netzwerk werden von den physischen Systemen gelöst, in logische Ressourcenpools gruppiert und über softwarebasierte Schnittstellen als Dienst bereitgestellt. Die Pools sind zustandslos, sie tragen also keine feste Rollenzuweisung mit sich.
Eigene Hardware soll damit ähnlich flexibel nutzbar werden wie Cloud-Ressourcen. Für eine neue Umgebung legt die Software ein Profil auf die vorhandenen Komponenten, im Rack muss dafür niemand umstecken. Umgesetzt wird das auf Bare Metal, mit virtuellen Maschinen oder mit Containern.
Der Ansatz besteht aus drei Schichten
Zusammensetzbare Infrastrukturen bauen auf drei Ebenen auf, die zusammen ein einheitliches Framework ergeben.
Hardware-Schicht: Hier liegen die physischen Komponenten, also Rechenknoten, Speicher und Netzwerktechnik. Sie werden als einzelne Bausteine betrachtet.
Software-Schicht: Sie abstrahiert die Hardware, bündelt sie zu Pools und weist Ressourcen dynamisch zu. Zusätzlich automatisiert sie wiederkehrende Aufgaben und korrigiert Zuweisungen bei veränderter Last.
API-Schicht: Über offene Programmierschnittstellen steuern Software und angebundene Werkzeuge die Hardware. So lassen sich Bereitstellungen in bestehende Automatisierungs- und Orchestrierungsprozesse einbinden.
Composable geht über konvergente und hyperkonvergente Systeme hinaus
Eine konvergente Infrastruktur ist ein vorkonfiguriertes Paket aus aufeinander abgestimmten Komponenten. Sie vereinfacht Beschaffung und Betrieb, bleibt in der Zusammensetzung aber weitgehend fest. Hyperkonvergente Systeme fassen Rechenleistung und Speicher in einheitlichen Knoten zusammen und skalieren über weitere Knoten. Brauchen Sie nur mehr Speicher, kaufen Sie die Rechenleistung mit.
Eine Composable Infrastructure geht einen Schritt weiter und trennt die Ressourcen voneinander. Rechenleistung, Speicher und Netzwerk lassen sich einzeln zuweisen und unabhängig erweitern. Das erhöht die Flexibilität, verlangt aber auch eine Verwaltungsebene, die diese Zuweisung zuverlässig übernimmt.
Ressourcen stehen schneller bereit und sind besser ausgelastet
Schnellere Bereitstellung: Neue Umgebungen entstehen im laufenden Betrieb per Profil, statt über Beschaffung und Umbau. Projekte starten früher.
Bessere Auslastung: Weil Ressourcen dorthin wandern, wo sie gebraucht werden, sinken Leerlauf und Überdimensionierung. Vorhandene Hardware trägt länger.
Weniger manueller Aufwand: Automatisierung und Orchestrierung nehmen Routineaufgaben ab. Das entlastet ein IT-Team, das ohnehin knapp besetzt ist.
Passend für schwankende Lasten: Anwendungen mit stark wechselndem Bedarf, etwa Auswertungen, Entwicklungsumgebungen oder KI-Workloads, bekommen Ressourcen nur für die Dauer der Nutzung.
Planbarere Kosten: Wer weniger Reserve für Spitzen dauerhaft vorhalten muss, investiert gezielter in Hardware.
Der Ansatz passt zu schwankenden Lasten auf eigener Hardware
Composable Infrastructure ist kein Standardweg für jedes Rechenzentrum. Der Ansatz spielt seine Stärken dort aus, wo eigene Hardware betrieben wird, die Lasten deutlich schwanken und mehrere Teams um dieselben Ressourcen konkurrieren. Typische Beispiele sind Entwicklungs- und Testumgebungen, rechenintensive Auswertungen oder GPU-Kapazität für KI-Projekte.
Bei überschaubaren Umgebungen mit wenigen, stabilen Anwendungen ist der Aufwand meist höher als der Gewinn. Hyperkonvergente Systeme oder Cloud-Dienste sind dann der einfachere Weg. Zu bedenken sind außerdem die Bindung an die Produktfamilie eines Herstellers und das Know-how, das der Betrieb der Verwaltungsebene voraussetzt.
Der Einstieg beginnt mit einer Messung der Auslastung
Auslastung messen: Erheben Sie über mehrere Wochen, wie stark Rechenleistung und Speicher genutzt werden. Erst diese Zahlen zeigen, ob ein Flexibilitätsproblem vorliegt.
Arbeitslasten sortieren: Trennen Sie stabile Dauerlasten von schwankenden Lasten. Nur die zweite Gruppe profitiert spürbar von zusammensetzbaren Ressourcen.
Zielbild festlegen: Vergleichen Sie Composable, hyperkonvergent und Cloud anhand Ihrer Anforderungen an Datenhaltung, Verfügbarkeit und Betriebsaufwand.
Pilot aufsetzen: Starten Sie mit einer klar abgegrenzten Arbeitslast, bevor Sie das Konzept auf das gesamte Rechenzentrum übertragen.
Betrieb klären: Legen Sie fest, wer Profile pflegt, Kapazitäten freigibt und die Verwaltungsebene aktuell hält.
Ich sehe zusammensetzbare Infrastrukturen als Werkzeug für bestimmte Aufgaben. Prüfen Sie zuerst, wo Ihre Infrastruktur heute bremst, und wählen Sie danach die Architektur. Wenn Sie Ihre aktuelle Umgebung bewerten oder Alternativen gegenüberstellen möchten, unterstützen wir Sie bei aconitas gerne mit einer nüchternen Einschätzung.
Infrastruktur, die mitwächst
Ressourcen sollten sich ohne Neubeschaffung anpassen lassen, auf eigener Hardware, in der Cloud oder in einer Mischung aus beidem. Wir planen und betreiben die passende Grundlage für Ihre Anwendungen.
Häufige Fragen
Hyperkonvergente Systeme bündeln Rechenleistung und Speicher in einheitlichen Knoten. Steigt der Speicherbedarf, kommt ein kompletter Knoten dazu, auch wenn die Rechenleistung ausreicht. Eine Composable Infrastructure trennt die Ressourcen und weist sie einzeln zu, sodass sich beide Bereiche unabhängig voneinander skalieren lassen.
In der Regel ja. Der Ansatz setzt Systeme voraus, deren Komponenten sich per Software zuweisen lassen, etwa modulare Chassis mit eigener Verwaltungsebene. Vorhandene Standardserver lassen sich meist nicht nachträglich umbauen. Planen Sie den Wechsel deshalb sinnvollerweise zum nächsten Hardware-Zyklus ein.
Das hängt von den Arbeitslasten ab. Bei wenigen, stabilen Anwendungen sind hyperkonvergente Systeme oder Cloud-Dienste meist der einfachere und günstigere Weg. Interessant wird der Ansatz, wenn Sie im eigenen Rechenzentrum stark schwankende Lasten fahren und sonst dauerhaft Reserve für Spitzen vorhalten müssten.